Meilensteine der Fotografie. Ein Rückblick.

Von den ersten Versuchen, Bilder in einer Kamera festzuhalten bis zu den technisch ausgereiften Verfahren und Gerätschaften der Foto¬grafie am Ende des 20. Jahrhunderts war es aber noch ein langer Weg, der mit zahllosen Innovationen und Erfindungen gepflastert war. Seit ihrer Erfindung 1839 wurde die Fotografie ständig technisch verbessert und Schritt für Schritt Jedermann zugänglich gemacht.



Die klassische, analoge Fotografie basierte auf der Verwendung von lichtempfindlichen Materialien, die Silber enthielten. In der der Kamera entstand zunächst ein Negativ mit umgekehrten Tonwerten, das dann in einem zweiten Schritt auf licht-empfindliches Fotopapier zum Positivbild auf Papier umkopiert wurde.

Lichtempfindliche Silberverbindungen wurden zur Basis der klassischen Fotografie. Silber als Ausgangsstoff wurde in derart großen Mengen in der fotografischen Industrie verbraucht, dass die Silberpreise Ende der 1960er Jahre explodierten. Man redete bereits vom Ende der Fotografie. Aber es war nicht der Silberpreis, sondern die Digitalfotografie, die in den 2000er Jahren das Ende der klassischen Fotografie einläutete.

Die Existenz lichtempfindlicher Silbersalze war bereits seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bekannt. Durch Belichtung wird die Silberverbindung aufgebrochen und reines Silber entsteht proportional zur einfallenden Lichtmenge, was eine mehr oder weniger starke dunkle Verfärbung hervorruft.

Jeder Meilenstein der Fotografie erweiterte die Anwendungsmöglichkeiten der Fotografie und ermöglichte neue Bildwelten. Die großen Zeitabschnitte der klassischen Fotografie starteten mit experimentellen Verfahren, wie der ältesten heute noch erhaltene fotografische Abbildung von 1826, über praktikable Verfahren ab 1839, die sich bereits weltweit verbreiteten, die Verbesserung der Qualität durch die Fotografie auf Glasplatten ab 1850, die industrielle Produktion von fotografischen Materialien und Kameras ab 1880, flexible Aufnahmematerialien ab 1888, Farbfotografie auf industriell hergestellten Farbmaterialien ab 1907, Siegeszug der Kleinbildfotografie ab 1925 hin zu vollautomatischen, elektronisch gesteuerten Kameras ab 1980.

Am Ende des 20. Jahrhunderts brauchte der Fotograf nur noch ein Motiv zu suchen und auf den Auslöser seiner Kamera zu drücken. Den Rest machte die Kamera automatisch von den Belichtungs¬einstellungen, zum Filmtransport und zur automatischen Scharfstellung. Zur digitalen Fotografie war es in diesem Moment nur noch kleiner Schritt.

1826: Die älteste erhaltene Fotografie. Grund für Jubel?

Nicéphore Niépce, älteste erhaltene Fotografie von 1826

Nicéphore Niépce (1765–1833) war ein französischer Erfinder und Autodidakt. Von ihm stammt die älteste bis heute erhaltene fotografisch erzeugte Abbildung . Niépce hielt 1826 mit einer Camera obscura auf einer mit Asphalt beschichteten, 21 cm × 16 cm großen, polierten Zinnplatte einen Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers im französischen Ort Le Gras fest. Niépce verwendete eine Platte aus Zinn, die er mit Asphalt beschichtet hatte. Durch die Einwirkung von Licht wurde der Asphalt partiell gehärtet. Der unbelichtete Teil konnte mit Öl herausgelöst werden. Dieses schemenhafte Bild war nach acht Stunden Belichtungszeit entstanden. Niépce’s auf Asphalt basierendes Aufnahmeverfahren war allerdings für die weitere Entwicklung der Fotografie eine Sackgasse. Die Lichtempfindlichkeit von Asphalt als Aufnahmematerial war einfach zu gering.

1837: Salzpapier. Die Erfindung des Auskopierpapiers.

William Henry Fox Talbot, Photogenic Drawing, 1839

Die Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen wie Silberchlorid war schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Es lag also nahe, Papier mit einer Lösung aus Kochsalz und Silbernitrat zu beschichten, um eine lichtempfindliche Schicht aus Silberchlorid zu erzeugen. Die ältesten noch erhaltenen Versuche mit Salzpapier machte Henry Fox Talbot 1827 in England. Er legte Gegenstände auf das Papier, die sich unter Sonnenlicht auf dem Papier schemenhaft abzeichneten. Er nannte diese Bilder photogenic drawings. Das erste Auskopierpapier war geboren.

Dieselben Versuche machte auch Franz von Kobell 1837 in München, der das Salzpapier in eine Kamera legte, die er vor der Münchner Frauenkirche aufstellte. Eine nur vier mal vier Zentimeter große Aufnahme der Münchner Frauenkirche befindet sich – zusammen mit 13 weiteren Fotografien aus dieser Zeit – in den Sammlungen des Deutschen Museums in München.
Diese ersten Versuche lieferten negative Schattenbilder. Seine Bedeutung erlangte das Salzpapier allerdings nicht als Aufnahmematerial sondern als so genanntes Auskopierpapier.

Auskopierpapier (im Englischen: print out paper = POP) ist ein Oberbegriff für Fotopapiere, die solange im Kontaktverfahren mit einem Negativ belichtet werden, bis sich das Papier verfärbt und das Bild vollständig hervorgetreten ist. Diese so genannten Auskopierverfahren wurde bis in die 1930er Jahre hinein für die bis dahin üblichen Kontaktabzüge verwendet und erst durch die Einführung von Vergrößerungsgeräten durch „moderne“ Fotopapiere abgelöst.

Man unterscheidet drei verschiedene Schichtaufbauten beim Auskopierpapier, die alle Silberchlorid als lichtempfindliches Halogenid verwenden: Beim Albuminpapier besteht die Emulsionsschicht aus Eiweiß, beim Aristopapier aus Gelatine. Das Celloidinpapier ist ein Auskopierpapier mit einer Kollodiumschicht auf barytiertem Papier.

1839: Fixierung. Fotografie wird haltbar.

Eine epochale Erfindung war 1839 die Entdeckung des Natriumthiosulfats als Fixiermittel für die auf Salzpapier erzeugten Schattenbilder. Wenn durch die Belichtung die gewünschte Schwärzung in der fotografischen Schicht erreicht war, wurde das verbleibende unbelichtete Silberhalogenid in einem so genannten Fixierprozess aus der Schicht entfernt, damit sie sich nicht weiter verfärben konnte. Hierzu wurde das Silberbild ab 1839 in einer Lösung aus Natriumthiosulfat (Fixiersalz) gebadet. Dieser Fixierprozess wird bis heute für alle silberbasierten Fotomaterialien verwendet.

1839: Daguerreotypie. Fotografie auf Silberplatten.

Louis Jacques Mandé Daguerre, Bd. du temple, 1838

Als Geburtstag der Fotografie gilt der 18. August 1839. An diesem Tag wurde die Erfindung der Daguerreotypie von der französischen Regierung als ein Geschenk an die Welt veröffentlicht. Das von Louis Daguerre entwickelte Verfahren lieferte Aufnahmen von großer Genauigkeit auf einer mit Silber beschichteten, polierten Kupferplatte. Die erhaltenen fotografischen Abbildungen konnten nicht vervielfältigt werden. Die Tatsache, dass jedes Bild ein Unikat war, machte die Daguerreotypien nur noch wertvoller. Das Verfahren der Daguerreotypie war das erste vollständige Verfahren der Fotografie Geschichte und verbreitete sich noch 1839 in der ganzen Welt.

1840: Objektive. Lichtstärke ist alles.

Zum Fotografieren braucht man ein Objektiv. In den ersten Kameras wurden noch achromatische Linsen eingesetzt, wie sie zum Beispiel in Fernrohren verwendet wurden. Allerdings waren diese Linsen nicht besonders lichtstark und wiesen noch große Abbildungsfehler auf.

Das erste Objektiv, das speziell für die Fotografie hergestellt wurde, war das so genannte Petzvalobjektiv, das ab 1840 von der Firma Voigtländer, einem Mikroskop Hersteller in Wien (später in Braunschweig) produziert wurde. Bis 1880 verkaufte Voigtländer 24 000 Stück von diesem legendären Objektiv. Das Petzval-Objektiv war so lichtstark das die Belichtungszeit für eine Porträtaufnahme im Studio von mehreren Minuten auf unter eine Minute verkürzte werden konnte. Der Konstrukteur des Objektivs war Josef Petzval (1807–1891), ein österreichischer Pionier der Optik. Er entwickelte neue mathematische Methoden zur Berechnung von Objektiven und begründete den Zweig der Optik als Wissenschaft.

Weltweit wurde seitdem ständig an neuen Materialien, Herstellungsverfahren und Verbesserungen im optischen Aufbau von Objektiven gearbeitet. Große Meilensteine waren die Einführung von optischen Vergütungen auf Linsenoberflächen zur Vermeidung von Reflexionen, was in den 1930er Jahren zur Konstruktion von Zoomobjektiven mit mehr als vier Einzellinsen führte. Die Entwicklung neuer hochbrechender Glassorten ermöglichte im gesamten 20. Jahrhundert konstruktive Verbesserungen wie das Einführen der so genannten Innenfokussierung.

1841: Kalotypie. Fotos auf Salzpapier.

1841 ließ der englische Fotograf und Erfinder William Fox Talbot sein Verfahren der Kalotypie patentieren, das die fotografische Vervielfältigung durch das Anfertigen von Papierabzügen auf Salzpapier ermöglichte. Für die Aufnahme verwendete er Papiernegative, die er nach einer kurzen Belichtung von mehreren Minuten in einem Bad aus Gallussäure und Silbernitrat entwickelte. Die dünnen Papiernegative der Kalotypie ermöglichten das Herstellen von einer unbegrenzten Anzahl von positiven Abzügen auf Salzpapier. Dieses Prinzip von einem Negativ ein Positives Papierbild abzuziehen, bildete die Grundlage der Fotografie für die nächsten 170 Jahre, ein echter Meilenstein der Fotografie, dessen Bedeutung damals nicht erkannt wurde. Die Veröffentlichung der Kalotypie kam zwei Jahre zu spät. Die Daguerreotypie war bereits weit verbreitet.

1850: Albuminpapier. Hühnereiweiß als Basis der Fotografie.

Albuminpapier gehört zu den so genannten Auskopier¬papie-ren (englisch: POP = print out paper), die so lange im Kontakt-verfahren durch ein Negativ bei Tageslicht belichtet werden, bis die gewünschte Schwärzung erreicht ist. Danach wird das Papier in einem Fixierbad fixiert. Eine Entwicklung ist überflüssig.

Das Verfahren zur Herstellung von Abzügen auf Albumin¬papier wurde 1850 vom französischen Fotografen Louis Désiré Blanquart-Evrard der französischen Akademie der Wissen-schaften vorgestellt und be¬schrie¬ben. Das Albumin¬pa¬pier ermöglichte detailreichere und kostengünstigere Papierbilder als die bis dahin gebräuchlichen Metho¬den mit Salzpapier nach dem Talbot’schen Ver¬fahren. Es ergab einen warmen bräunlichen und manchmal vio¬letten Bild¬ton bei großem Detailreichtum.

Ein Großteil der Weltproduktion wurde in Dresdner Albuminfabriken hergestellt. 1888 erreichte der Produktionsausstoß fast 9 Millionen Blatt im Format 46 cm × 58 cm. Für die Herstellung der Papiere wurden täglich bis zu 60 000 Eier benötigt, deren Eiweiß für die Produktion verwendet wurde. Der Höhepunkt der Dresdner Albuminpapier-Produktion wurde etwa im Jahr 1890 erreicht.

Albuminpapier blieb bis ca. 1920 das beliebteste Auskopierpapier für Abzüge von den neuartigen Glasplattennegativen im Kontaktverfahren. Die Grundlage war ein Papier, das mit Hühnereiweiß grundiert war. Vor der Verarbeitung wurde es in einem Bad aus Silbernitratlösung lichtempfindlich gemacht. Albuminpapier ergab einen warmen Bildton. Als Auskopier¬papier wurde es solange in einem Kontaktrahmen belichtet, bis die gewünschte Bildschwärzung erreicht war. Als Nachteil erwies sich, dass das Papier schnell vergilbte. Typisch für Albumin Abzüge aus dem 19. Jahrhundert ist daher die Sepia-Farbe. Sie entsteht dadurch, dass der Schwarzanteil durch UV-Strahlung bräunlich und das weiße Trägerpapier mit der Zeit gelblich wird.

1851: Fotografie auf Glasplatten

Glasplatten Negative in einem Trockenständer
Glasplatten Negative in einem Trockenständer

1851 begann ein erster großer Umbruch in der Technik der Fotografie, der gleichzeitig die Nachteile der bis dahin gebräuchlichen Verfahren der Daguerreotypie und die der Kalo-typie behob. Glasplatten als transparentes Trägermaterial für fotografische Aufnahmen lieferten jetzt kontrastreiche und detailgetreue Abbildungen, ein großer Qualitätsschritt im Vergleich zu den wenig transparenten Papiernegativen. Zunächst wurden die Glasplatten noch unmittelbar vor der Aufnahme vom Fotografen präpariert. Sie wurden mit einer Haftschicht aus Kollodium grundiert, auf die dann die lichtempfindliche Emulsion aufgebracht wurde. Die so genannte Kollodium Nassplatte setzte eine zeitnahe Verarbeitung voraus. Die Zeitspanne vom Beschichten, Sensibilisieren, Belichten und Entwickeln der belichteten Platte lag bei nur 15 Minuten. Nur wenn die Platte noch in feuchtem Zustand belichtet wurde, lieferte sie gute Resultate.

Der große Vorteil dieser neuen technischen Verfahren lag in der Transparenz der erhaltenen Negative, die sich nun auf Glasplatten statt auf Papier befanden, und der Brillanz des neuen, mit einer Emulsion aus Albumin und Chlorsilber be-schichteten Fotopapiers, das Abzüge von vorher nie gesehener Klarheit lieferte. Außerdem war die Lichtempfindlichkeit der neuen Kollodium-Nassplatten so hoch, dass sie nun Belichtungszeiten von nur wenigen Sekunden ermöglichten.

1861: Künstliche Beleuchtung. Die Fotografen lassen es knallen.

Wer fotografiert braucht Licht. Viel Licht. Elektrische Lichtquellen in Innenräumen standen im 19. Jahrhundert noch nicht zur Verfügung. 1861 wurde erstmals Magnesium als Lichtquelle für die Fotografie benutzt. Beim Abbrennen entstand ein grelles Licht. Ab 1887 wurde ein Blitzlichtpulver aus Magnesium, Kaliumchlorat und Schwefelantimon verwendet, das blitzartig in Sekundenbruchteilen abbrannte. Der Nachteil war seine hohe Instabilität, die manchmal zu Unfällen führte.
Abhilfe schaffte erst die Erfindung der Blitzlichtbirne durch den Physiker Johannes Ostermeier. Er entdeckte 1928, dass reines Magnesium oder Aluminium, das in einer Blitzlichtbirne in einer Sauerstoffatmosphäre untergebracht war, elektrisch gezündet werden konnte. Unter großer Helligkeitsentwicklung verbrannte dieses Material dabei blitzartig in etwa 1/30 Sekunde. Diese Blitzlichtbirnen blieben bis in die 1970er Jahre gebräuchlich und wurden dann von den Elektronenblitzen abgelöst.

1861: Farbe, Farbe, Farbe. Farbfotografie…

Farbe war schon seit der Erfindung der Fotografie ein beliebtes Mittel in der Fotografie. Die ersten schwarzweißen foto-grafischen Bilder wurden gerne mehr oder weniger dezent koloriert oder ganzflächig eingefärbt.

Ab 1861 waren die Grundlagen und Prinzipien der Farbfotografie bekannt. Nach der Lösung einiger technischer Hürden lieferten farbfotografische Verfahren am Anfang des 20. Jahrhunderts farbige Aufnahmen, meist unter Verwendung von drei getrennten Fotoplatten, die durch Filter in den drei Grundfarben belichtet wurden.

Erste industriell hergestellte Farbmaterialien wie die Autochrome Platten für die Amateurfotografie kamen dann 1907 auf den Markt.

Der große technische Durchbruch für die Farbfotografie kam 1935 mit der Einführung des Kodachrome Farbfilms, der auch für Kinofilme verwendet wurde. Im Amateurbereich wurden spätestens in den 1960er Jahren farbige Dias und Schmalfilme sehr beliebt. Legendär wurden die Kodachrome Farbfilme, die von 1935 bis 2009 produziert wurden. Mit der Einführung der digitalen Fotografie ab 1990 wird nur noch in Farbe fotografiert.

1866: Barytpapier. Das Standard Fotopapier.

Die ersten Fotopapiersorten, die ab 1839 benutzt wurden, bestanden aus Rohpapier, das sich bei der nassen Verarbeitung mit Chemikalien vollsaugte. Das Bild sank in das Papier ein. Beim so genannten Barytpapier wurde ab 1866 die Oberfläche des Rohpapiers geglättet und eine weiße Schicht aus Gelatine und Bariumsulfat aufgetragen. Diese Barytschicht verhinderte das Einsinken der fotografischen Emulsion in den Papierfilz, wodurch ein klareres Schwarzweiß Bild entstand und der Verbrauch von Chemikalien gesenkt werden konnte. Barytpapier wurde in den nächsten 100 Jahren zum beliebtesten Fotopapier für hochwertige Schwarzweißbilder und wird auch heute noch hergestellt.

1873: Platindruck. Der Gipfel der Schwarzweißfotografie.

Der Platindruck (Platinotypie) ist ein fotografisches Edeldruckverfahren, das 1873 veröffentlicht wurde. Der Platindruck war vor allem zwischen 1890 und 1930 wegen seiner hohen Qualität sehr beliebt. Der Platindruck gehört zur Gruppe der Schwermetallverfahren. Diese Verfahren beruhen auf der Eigenschaft von Ferrisalzen, sich unter Einwirkung von Licht in Ferrosalze zu verwandeln und gehört deswegen zur Familie der Verfahren mit Eisenverbindungen, da die lichtempfindliche Substanz ein Eisenoxalat ist. Nach dem Belichten entsteht ein schwach sichtbares Bild, welches durch Eintauchen in eine heiße, wässrige Lösung von Kaliumoxalat und einer kleinen Menge Platin- oder Palladiumsalz kräftig hervortritt. Das Ergebnis ist ein neutralgrauer Bildton mit sehr feinen Abstufungen. Platindrucke sind sehr gut haltbar.

1878: Gelatine. Das universale Wundermittel aus der Küche.

Gelatine wurde ab 1878 zu einem Universalmittel, das in allen fotografischen Materialien zur Anwendung kam. Gelatine wurde als Haftmittel bei der Beschichtung von Glasplatten mit einer lichtempfindlichen Emulsion genauso verwendet wie bei der Herstellung von Fotopapieren und Rollfilmen. Die positiven Wirkungen der Gelatine waren so vielfältig, dass sie nie durch eine andere Substanz ersetzt werden konnte. Sie sorgte für eine feine Verteilung der lichtempfindlichen Kristalle in der Emulsion, ohne dass diese zusammenklumpten. Geringe Spuren von Schwefel in der Gelatine erhöhten die Lichtempfindlichkeit erheblich und stabilisierten darüber hinaus das latente Bild bis zur Entwicklung, die oft erst Wochen nach der Belichtung stattfand. Filme, Fotopapiere, Farbmaterialien und sogar Druckerpapiere für den Digitaldruck, überall wird Gelatine als Grundierung und Trägersubstanz verwendet.

1879: Handkameras. Die Erfindung des Auslösers.

Mit Einführung der empfindlichen Gelatine-Trocken-Platten kamen ab 1879 die ersten Handkameras auf den Markt, zunächst noch als Detektivkameras bezeichnet. Sie besaßen als Neuerung einen in die Kamera integrierten Verschluss, der die Belichtungszeit steuerte. Diese Kameras konnten unauffällig ohne den Einsatz eines Statives verwendet werden.
Auslöser, die direkt an der Kamera angebracht waren, um den Verschluss für den Belichtungsvorhang zu öffnen, lösten pneumatische Vorrichtungen ab, die vor allem in Fotostudios verwendet wurden, um eine Klappe vor dem Objektiv zu öffnen und zu schließen.

Als Verschlusstypen setzten sich im 20. Jahrhunderts der Zentralverschluss (im Objektiv) und der Schlitzverschluss (in der Bildebene) durch. Der Belichtungsvorgang wurde durch das Herunter Drücken des Auslösers gestartet. Zunächst arbeiteten die Verschlüsse noch rein mechanisch, in den 1960er Jahren wurden sie zunehmend elektronisch gesteuert. Der Auslöser stellte zunächst die gewünschte Blende ein, klappte bei Spiegelreflexkameras den Spiegel hoch, öffnete den Verschluss für die vorgesehene Zeit der Belichtung. Danach wurde der Spiegel wieder herunter geklappt und die Blende wieder geöffnet.

1879: Der Verschluss. Die Belichtungszeit wird kürzer.

Ein Verschluss öffnet den Weg für das Licht auf das Aufnahmematerial während der Belichtungszeit. Am Anfang der Fotografie reichte ein manuelles Öffnen einer Klappe vor dem Objektiv, um die Belichtungszeit von mehreren Sekunden oder Minuten zu steuern.

Verschlüsse als integrativer Bestandteil von Kameras wurden mit dem Aufkommen der so genannten Handkameras ab 1879 eingeführt, die mit Gelatine Trockenplatten arbeiteten.

1879: Sucher

Sucher, oder im Englischen Finder, wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Kamerabau eingeführt, als die Plattenkameras durch Rollfilmkameras oder später auch Kleinbildkameras abgelöst wurden. Der Sucher wurde notwendig, da in diese ersten tragbaren Kameras keine Mattscheibe mehr für die Wahl des Bildausschnitts oder zum Einstellen der Schärfe zur Verfügung stand.

Die ersten einfachen Sucher bestanden noch aus einer Visiervorrichtung oder einem kleinen Rahmen auf der Kamera. Die so genannten Messsucherkameras ermöglichten seit den 1930er Jahren auch die Entfernungsmessung. In den 1960er Jahren war dann alles in den Sucher integriert, Belichtungsmessung, Schärfe und exakter Bildausschnitt für jedes verwendete Objektiv wurden jetzt angezeigt.

1879: Verschluss

Verbesserte Aufnahmematerialien erforderten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer kürzere Belichtungszeiten bei der Aufnahme. Ein Manuelles Öffnen und Schließen des Objektivdeckels zum Steuern der Belichtungszeit reichte nun nicht mehr aus. Mechanische Verschlüsse wurden ab 1880 zum festen Bestandteil einer jeder Kamera.

Im Wesentlichen setzten sich zwei Verschlusstypen durch. Der so genannte Zentralverschluss wurde in das Objektiv eingebaut und bestand aus einzelnen Lamellen, die sich auf Knopfdruck öffneten und wieder schlossen. Der Schlitzverschluss befand sich direkt vor der Bildebene mit dem lichtempfindlichen Material. Ein Vorhand mit einem Schlitz wurde vor dem Film vorbeitransportiert.

In den 1920er und 1930er Jahren entstanden kleine mechanische Wunderwerke, deren Verschlusszeiten frei wählbar waren zwischen 1 s bis 1/500 s. Für Sportaufnahmen mit Spiegelreflexkameras wurden in den 1960er und 1970er Jahren Schlitzverschlüsse mit kürzesten Verschlusszeiten von bis zu 1/4000 s gebaut.

1888: Schlitzverschluss

Der Schlitzverschluss ist – neben dem Zentralverschluss – eines der zwei im Fotoapparatebau gebräuchlichen Konstruktionsprinzipien für den Verschluss. Der Schlitzverschluss befindet sich unmittelbar vor der Bildebene, also vor dem lichtempfindlichen Aufnahmematerial, sei es Film oder digitaler Bildsensor. Der Schlitzverschluss wurde 1888 patentiert. Berühmt wurde der Schlitzverschluss in der Kleinbildfotografie durch den Tuchverschluss der Leica (1924) und den Metall-Lamellenverschluss der Contax (1932). Auch heute noch ist er der Standard-Verschluss moderner Kleinbild-Spiegelreflex-Kameras. Zwei Verschlussvorhänge (ursprünglich aus gummiertem Tuch oder aus zusammengehakten Blechlamellen) laufen zeitlich versetzt direkt vor der Filmebene ab und bilden einen Schlitz, der das vom Objektive kommende Licht durchlässt. Unterschiedliche Belichtungszeiten werden durch unterschiedliche Schlitzbreiten realisiert.

1889: Filme. Die Fotografie wird flexibel.

Als Rollfilm (seit 1892 eigentlich Tageslichtrollfilm) bezeichnet man fotografischen Film, der auf einer Spule konfektioniert wird. Ein neuer Träger für die fotografische Schicht wurde ab 1889 eine neuartige transparente Kunststofffolie aus Zelluloid. Zelluloid blieb in die 1950er Jahre der wichtigste thermoplastische Kunststoff in der Fotografie, bevor er durch weniger feuergefährliche Materialien abgelöst wurde.

Im 20. Jahrhundert wurden zunächst Rollfilme unterschiedlicher Breiten für unterschiedlichste Formate eingeführt, von denen das 6 cm x 6 cm Format am häufigsten benutzt wurde, in den 1920er Jahren wurden dann auch Kleinbildfilme für das Aufnahmeformat 24 mm x 36 mm populär, bis heute das am häufigsten verwendete Auf-nahmematerial.
Der große Vorteil dieser flexiblen Aufnahmematerialien war neben dem geringen Gewicht die Möglichkeit, mehrere Aufnahmen schnell hintereinander aufzunehmen. Nach jeder Aufnahme wurde das Filmmaterial mit Hilfe eines Schnell-spannhebels zur nächsten Aufnahme weitertransportiert, ideal für die Reportagefotografie.

1890: Zentralverschluss

Der Zentralverschluss aus einer oder mehreren konzentrisch angeordneten, sich überlappenden Lamellen (engl.: leaf) befindet sich im Inneren des Objektivs. Nach dem Auslösen des Fotoapparates schnellen die Lamellen synchron aus dieser Achse zurück und geben den Weg des Lichts auf den Film frei. Er heißt so, weil er sich – im Gegensatz zum Schlitzverschluss – von der Mitte her öffnet. Zentralverschlüsse sind in Sucher-kompakt¬kameras und Mittel- bzw. Großformat Kameras üblich und wurden von spezialisierten Herstellern produziert. Die Markennamen des Verschlusses und der Name des Herstellers war in der Regel auf den Objektiven vermerkt und eine wichtiges Qualitätsmerkmal der frühen Kameras.

1900: Brownie. Die erfolgreichste Kameraserie aller Zeiten.

1900 brachte das US-amerikanische Fotounternehmen Kodak die Brownie Kameraserie auf den Markt, eigentlich nur eine Neuentwicklung unter vielen anderen dieser Zeit. „The Brownie“ wurde nach den kleinen Charakteren des kanadischen Illustrators Palmer Cox benannt, die bei Kindern sehr beliebt waren. Das allein hätte den langfristigen Erfolg der Kameras und damit der Filmverkäufe nicht gesichert. Die Brownies waren preiswert und zuverlässig. Für die nächsten 80 Jahre war der Name „Brownie“ ein Synonym für populäre Fotografie. Vom ersten Modell im Jahr 1900 bis zum letzten, einer kompakten Taschenkamera aus Kunststoff, die 1980 von Kodak hergestellt wurde, trugen fast 100 Kameras den Namen Brownie.

1907: Autochrome. Erste Farbe für Jedermann.

1907 kamen in Frankreich Autochromplatten für die Farbfotografie auf den Markt, die mit orangerot, grün und violett eingefärbten Stärkekörnchen auf einer Bromsilber-Gelatine-Emulsion versehen waren. Die Stärkekörnchen wirken dabei als rasterartiges Filter in den drei Grundfarben, woraus sich die Bezeichnung Kornrasterverfahren ableitet. Die Körnchen wurden so aufgetragen, dass die Schicht nur ein Korn dick war. Das Endprodukt war ein farbiges Diapositiv, das für die Projektion bestimmt war.

1925: Die Sucherkamera. Leica und der Messsucher.

Der Ur-Typus einer modernen Sucherkamera war die Leica. Die bis heute legendäre Leica Kamera für 35 mm Kinofilm wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 vorgestellt. Als Verschluss diente ein Schlitzverschluss mit veränderlicher Breite des Schlitzes für Belichtungszeiten von 1/25 s bis 1/500 s. Der Sucher war noch ein einfacher Durchsichtsucher. Auch wenn die Leica Kamera heute als legendär gilt, war ihre Markteinführung lange Zeit unklar, da das Gerät keine eigenen Entwicklungen oder Patente der Firma Leitz enthielt, die damals lediglich auf den Bau von Mikroskopen und anderen optischen Geräten spezialisiert war. Die Leica war eigentlich nur ein kleiner formschöner Blechkasten (sie bestand wirklich aus gestanztem Blech), der mit versenkbaren Objektiv in jede Hosentasche passte. Die erste Leica hatte weder einen Entfernungsmesser noch verfügte sie über Wechselobjektive wie die nachfolgenden Leica-Modelle. Außerdem verwendete die Kamera wie etliche Kameras vor ihr 35 mm Kinofilmmaterial, das nicht für fotografische Zwecke optimiert war und vom Fotografen selber zugeschnitten werden musste.

Sucherkameras wurden mit der Einführung der Leica Kameras ab 1925 immer beliebter. Die Sucher lieferten anfangs nur den ungefähren Bildausschnitt. Eine erste wichtige Zusatzfunktion war die Entfernungsmessung, die in den Sucher integriert wurde. Der Messsucher war geboren.

1925: Vergrößerung. Kleine Negative. Große Bilder.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Aufnahmeformate in der Fotografie kleiner. Zunächst Rollfilme und seit den 1920er Jahren auch Kleinbildfilme machten eine Vergrößerung der Negative notwendig. Vergrößerung ersetzten nach und nach die bis dahin üblichen Kontaktabzüge von großformatigen Aufnahmen auf Glasplatten.

Ein Vergrößerungsgerät ermöglicht, durch optische Projektion vergrößerte Papierbilder aus Negativen oder auch Diapositiven herzustellen. Die ersten Vergrößerungsgeräte kamen in den 1850er Jahren unter der Bezeichnung Heliostat auf den Markt und wurden noch mit Sonnenlicht betrieben. Spätestens mit der Einführung des Kleinbildfilms in den 1920er Jahren wurden Vergrößerungsgeräte mit elektrischer Beleuchtung zur Standard¬ausrüstung der Fotografen. Führende Hersteller im 20. Jahrhundert waren Agfa, Beseler, Durst, DeVere, Hengstler, Jobo, Kaiser, Kienzle, Krokus, Liesegang, Linhof, Meopta, Omega, Teufel, LPL, Rowi

1934: Kleinbildfilm. Das Zeitalter der Kleinbildfotografie.

35 mm Film ist ein auf beiden Seiten perforiertes Filmmaterial, das 1893 zunächst für die Aufzeichnung von Kinofilmen entwickelt wurde. Verschiedene experimentelle Kameras benutzten das Material seit dem Beginn des 20. Jahrhundert auch für die Fotografie. Das relativ kleine Aufnahmeformat konnte sich aber zunächst nicht gegen die damals üblichen Aufnahmeformate von mindesten 60 mm x 90 mm durchsetzen.

Es dauerte bis nach dem Ersten Weltkrieg, bis ein deutscher Mikroskop Hersteller nach wirtschaftlich schweren Zeiten einen neuen handlichen Kameratyp entwickelte, dessen Erfolg sein Unternehmen letztendlich retten sollte. Mit der Markteinführung der Leica Kamera 1925 wurde die Kleinbildfotografie erfolgreich etabliert. Das Kleinbildformat von 24 mm x 36 mm überlebte als Vollformat sogar bis in das digitale Zeitalter.

Das US-amerikanische Unternehmen brachte den Kleinbildfilm in praktischen, fertig bestückten Filmpatronen im Jahr 1934 mit der Typenbezeichnung 135 Filmtyp auf den Markt. Diese fertig konfektionierten Filmpatronen für bis zu 36 Aufnahmen brachten den Durchbruch der Kleinbildfotografie in der Amateurfotografie und professionellen Fotografie. Die ersten Kleinbildkameras waren einfache Sucherkameras, die sich schnell zu technisch aufwendigen Systemkameras mit Wechselobjektiven und Messsuchern weiterentwickelten, wie die legendären Leica und Contax, die schon in den 1930er Jahren den weltweiten Markt beherrschten.

Auch die massenhaft hergestellten Spiegelreflexkameras der 1970er Jahre und die kompakten vollautomatischen Point and shoot Kameras der späten 1980er Jahre verwendeten den Kleinbildfilm als Aufnahmematerial.

1935: Blitzsynchronisation

Als Blitzsynchronisation wird das automatische Synchronisieren des Zündens eines Blitzgeräts mit dem Ablauf des Verschlusses bezeichnet. Sie gewährleistet, dass der Verschluss während der Leuchtdauer des Blitzes das volle Bildfenster für einen kurzen Moment freigibt.

Abhilfe schaffte die Erfindung der Blitzlichtbirne durch den Physiker Johannes Ostermeier. Er entdeckte 1928, dass reines Magnesium oder Aluminium, das in einer Blitzlichtbirne in einer Sauerstoffatmosphäre untergebracht war, elektrisch gezündet werden konnte.

Der erste Fotoapparat mit eingebauter Blitzsynchronisation war 1935 die Exakta Modell B der Firma Ihagee in Dresden, er arbeitete mit Osram Vacublitz Blitzbirnen.

Es werden drei unterschiedliche Methoden der Blitzsynchronisation unterschieden: M-Synchronisation, X-Synchronisation, FP-Synchronisation. Das M steht in diesem Fall für ‚medium time‘, bei dieser Art der Synchronisation wird der Blitz bereits ausgelöst, noch bevor der Verschluss vollständig geöffnet ist. Da der chemische Prozess der Verbrennung erst in Gang kommen muss, wird so gewährleistet, dass der Verschluss des Fotoapparates vollständig geöffnet ist, wenn die maximale Helligkeit des Glaskolbenblitzes erreicht wird. Das X im Namen bezieht sich auf das Edelgas Xenon, das in den Elektronenblitzröhren zum Einsatz kommt. Der Blitz wird erst nach Öffnen des Verschlusses gezündet. Die Kurzzeitsynchronisation oder High-Speed-Synchronisation (HSS) wurde entwickelt, um die Blitzlichtfotografie mit Belichtungszeiten zu ermöglichen, die kürzer sind als die Blitzsynchronzeit. Diese Betriebsart wird teilweise auch als (Super)FP-Modus oder FP-Mode bezeichnet, wobei FP aus dem Englischen kommt und für focal-plane shutter (Schlitzverschluss) steht.

1935: Kodachrome (Diafilm)

Kodachrome ist der Markenname des von 1935 bis 2009 produzierten Diafilms des amerikanischen Unter-nehmens Kodak. 1935 brachte Kodak den ersten Kodachrome-Filmtyp als 16-mm-Schmalfilm auf den Markt, 1936 folgte der 35-mm-Kleinbildfilm. Kein anderer Film hat die intensiven Kodachrome-Farben erreichen können. Seit seinem Erscheinen im Jahr 1935 bis in die 1990er Jahre war er das bevorzugte Farbfilmmaterial vieler Berufsfotografen und anspruchsvoller Fotoamateure. Kodachrome wies eine hohe Schärfe, Feinkörnigkeit sowie lebendige Farben auf und ist in Archiven äußerst gut haltbar.

1935: Vergütete Objektive. Anti-Reflex-Schichten machen Zoomobjektive möglich.

Antireflexbeschichtungen werden eingesetzt, um die Reflexion von optischen Oberflächen von Linsen, Brillen oder Objektiven zu unterdrücken, um die Transmission zu erhöhen. Bei Objektiven spricht man hierbei von einer Vergütung. Die Herstellung von Antireflexionsbeschichtungen erfolgt durch Beschichtungsmethoden der Dünnschichttechnik.
Objektive mit zehn oder mehr Linsen, wie etwa Zoomobjektive, wären ohne Antireflexbeschichtungen praktisch nicht einsetzbar, denn durch die Reflexionen gehen pro Linse etwa 8 % der einfallenden Intensität verloren.

1936: Von der Spiegelreflexkamera zur Kleinbildspiegelreflexkamera.

Die Grundidee jeder Spiegelreflexkamera ist das Aufrichten des kopfstehenden Bildes, das vom Objektiv erzeugt wird. Durch einen Spiegel im 45° Winkel wird das einfallende Licht wird in einer einäugigen Spiegelreflexkamera vom schräg stehenden Schwingspiegel nach oben reflektiert und gelangt auf die Einstellscheibe des Suchersystems. Mit einer Sammellinse (Feldlinse) und durch die Reflexion innerhalb des Dachkantenprismas wird das Bild schließlich im Sucher sichtbar. So erscheint im Sucher exakt dasselbe Bild, das beim Druck auf den Auslöser aufgenommen wird. Die erste Spiegelreflexkamera wurde 1861 von Thomas Sutton konstruiert.

Die Herstellung der ersten Kleinbild-Spiegelreflexkamera startete im März 1936 in Dresden mit der Kine Exakta der Firma Ihagee.

1938: Elektronenblitz

Als Elektronenblitz oder Röhrenblitzgerät bezeichnet man ein Blitzgerät, das 1938 entwickelt wurde und auf einer Gasentladungsröhre basiert. Die Blitzröhre besteht aus einem Glaskolben, der mit dem Edelgas Xenon oder Krypton gefüllt ist und in den zwei Elektroden eingeschmolzen sind. In ihm findet bei Anlegen einer genügend hohen Spannung eine Gasentladung in Form eines Funkens statt, die als heller Lichtblitz sichtbar wird. Die verschleißfreien Elektronenblitze erzeugen ein neutral weißes Licht und werden bis heute eingesetzt.

1947: Sofortbildfotografie. Polaroid.

Auf den Auslöser einer Kamera zu drücken und sofort das fertige Bild in den Händen zu halten, war der Traum des US-amerikanischen Wissenschaftlers Edwin Land. Er gründete 1937 das Unternehmen Polaroid, das 1947 die erste Sofort-bildkamera auf den Markt brachte. Sein Unternehmen wurde in den 1950er Jahren zu einem der größten Unternehmen der Fotografie. Die SX-70 Spiegelreflexkamera war 1972 der technische Höhepunkt der Polaroid Kamera Baureihen. 1986 verzeichnete Polaroid einen Umsatz von 1,6 Milliarden USD und beschäftigte etwa 150 000 Mitarbeiter weltweit. Bis 1991 stieg der Jahresumsatz weiter auf 3 Mrd. US$. In den 1990er Jahren sank das Interesse an der Sofortbildfotografie und Polaroid meldete 2001 Konkurs an.

1949: Belichtungsautomatik

Allererste Kameras, die die Belichtungszeit automatisch je nach Lichtsituation steuerten, gab es bereits Ende der 1940er Jahre. Sie funktionierten noch rein mechanisch. Die Elektronik hielt seit den 1960er Jahren schrittweise Einzug in die Kameratechnik. Rein mechanische Lösungen, die an komplizierte Uhrwerke erinnerten, wurden durch elektronische Komponenten ersetzt, die bald die gesamte Kameratechnik steuerten.

Die Belichtungsmessung in den Kameras wurde immer präziser und erfolgte in den 1970er Jahren zunehmend automatisch. Bereits in den 1990er Jahren erkannten die Kameras auch, um welche Art von Motiv es sich handelte. So konnte die Belichtungs¬automatik immer zuverlässiger die Bildqualität steuern.

1963: Instamatic

Kodak brachte 1963 die Instamatic Kamerafamilie auf den Markt, mit Filmmaterialien, die sich in einer geschlossenen Kassette befanden. Der neue 35 mm breite (ungelochte) Farbfilm befand sich jetzt in einer einfach zu wechselnden Kassette für das quadratische Aufnahmeformat von 28,6 mm x 28,6 mm ausgelegt war. Die Instamatic Kameras wurden ein großer Erfolg und bis in die 1970er Jahre hinein wurden 100 Kameramodelle mit insgesamt 50 Millionen Apparate von Kodak produziert. Die einfachen Modelle hatten in der Regel zwei Belichtungseinstellungen, Sonne und Wolken, und einen Blitz-würfel Halter.

1977: Autofokus

Als Autofokus (AF) wird die Technik einer Kamera oder auch anderer optischer Geräte bezeichnet, automatisch auf das Motiv scharfzustellen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen aktivem Autofokus, der auch bei völliger Dunkelheit funktioniert, und passivem Autofokus, bei dem nur das vom Motiv abgestrahlte oder reflektierte Licht verwendet wird. Die erste Kamera, die in Deutschland mit einem eingebauten Autofokus verkauft wurde, war im November 1977 die Konica C35 AF. Darauf folgten von allen Herstellern sehr schnell weitere Varianten. Der Autofokus wurde im Amateurbereich innerhalb eines Jahres zum Standard bei neuen Kameras.

1990: Digitale Fototechnik

Von der vollautomatischen Point & Shoot Kamera für Kleinbildfilm der 1990er Jahre zur massentauglichen digitalen Kompaktkamera der 2000er Jahre war es technisch nur noch ein kleiner Schritt. Der Film in der Kamera wurde durch einen Digitalsensor ersetzt. Das Endprodukt war nach wie vor ein Papierbild, das in ein Album geklebt werden konnte.
Die digitale Fototechnik veränderte die Fotografie zunächst vor allem in der Bildbearbeitung, für die nun digitale Bilddaten zur Verfügung standen, die auch auf Heimcomputern verarbeitet werden konnten, bevor sie auf Papier ausgedruckt wurden.

Die Bildqualität von Kameras in Smartphones wurde ständig durch immer intelligentere Software Anwendungen verbessert. Filter können jeden fotografischen Stil simulieren. Hoch spezialisierte Software erkennt die Motive und verbessert die Schärfe, den Farbkontrast und unterdrückt das Rauschen bei schwacher Beleuchtung.

Mit den Möglichkeiten der generativen künstlichen Intelligenz wurde es in den 2020er Jahren möglich, Bilder, die wie Fotos aussehen, mit Hilfe künstlicher Intelligenz zum Beispiel durch Textbeschreibungen zu generieren.