Gedanken zur Fotografie

Die Fotografie ist vollkommen objektiv und zeigt immer die Wahrheit. Das Objektiv einer Kamera bildet die Außenwelt so ab, wie sie ist, also ohne Hinzufügen oder Weglassen von Details, eben ganz objektiv im Gegensatz zur Malerei oder Zeichenkunst. Form und Inhalt einer Fotografie sind untrennbar miteinander verbunden. Realität und Abbildung verschmelzen miteinander. Dieses Rollenmodell der Fotografie galt über 170 Jahre lang.


Fotografische Bilder sind Momentaufnahmen, die im Bruchteil einer Sekunde einen definierten Ausschnitt der drei-dimensionalen Welt in einem zweidimensionalem Schattenbild aus Hell- und Dunkel-Abstufungen festhalten, ein Moment, der für immer vorbei ist. Fotos sind Zeitkapseln. Sie führen einen Kampf gegen die Vergänglichkeit und stehen für das Vergangene, das nicht mehr Existierende. Fotografie und Tod gehören zusammen. Fotografie macht sichtbar. Dinge und Ereignisse, die sonst für die meisten Menschen unsichtbar geblieben wären, werden durch die Fotografie erlebbar und sichtbar gemacht. Das Wichtige ist die Wirkung der Fotografie. In dem Augenblick wo eine fotografische Aufnahme gezeigt wird, kann sie Wirkung entfalten und Emotionen auslösen. Dies kann im kleinen Kreis der Familie, in einer Ausstellung, einer Veröffentlichung oder durch Teil im Internet passieren. Erst durch den Betrachter wird das Foto zu einem wirksamen Objekt im öffentlichen Raum und zu einem Medium, das Ideen und Weltbilder verbreiten kann.