Fotografie in Superlativen

Rückblickend gab es viele Ereignisse und Superlative, Momente und Meilensteine, die die Geschichte der Fotografie geprägt und die Fotografie als Medium weitergebracht haben. Fotografische Verfahren gewannen Nobelpreise, fotografische Materialien wurden mit Oscars ausgezeichnet, Fotoausstellungen wurden in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Fotos machten Politik und halfen Kriege zu beenden. Das Leben von realen Fotografen wurde in Spielfilmen verfilmt und in Musicals dargestellt.

Das Zusammenspiel aus gesellschaftlicher Relevanz und technischer Innovation machte die Fotografie zu dem, was sie heute ist, zum integralen Bestandteil des täglichen Lebens und zum wichtigsten Kommunikationsmittel unserer Zeit.

  • Das erste Fotobuch der Geschichte wurde 1844 von Henri Fox Talbot herausgebracht: „The Pencil of Nature“. Mit diesem Buch demonstrierte er die Möglichkeiten des von ihm erfundenen fotografischen Verfahrens der Kalotypie, das erstmals die Vervielfältigung von fotografischen Aufnahmen ermöglichte.
  • Das einflussreichste Fotobuch: Seit der Erfindung der Fotografie zählen Fotobücher zum Kulturgut. 1958 prägte der Fotograf Robert Frank mit seinem Fotobuch The Americans einen neuen Stil in der Reportage Fotografie der folgenden Jahrzehnte. „The Americans“ wurde zum einflussreichsten Fotobuch des 20. Jahrhunderts.
  • Das teuerste Fotobuch der Geschichte stammt vom Modefotografen Helmut Newton. Das erste Exemplar seines Bildbandes Sumo, handsigniert, wurde 1999 mit einem Verkaufspreis von 620.000 DM sogar zum teuersten Buch des 20. Jahrhunderts.
The Family of Man
Legendäre Fotoausstellung Family of Man, Museum of Modern Art, New York, 1954
  • Die legendärste Fotoausstellung der Geschichte hat es in das Weltkulturerbe der UNESCO geschafft: „The Family of Man“. Die Ausstellung wurde 1954 vom Metropolitan Museum of Modern Art in New York organisiert und umfasste 503 Fotos.
Nadar, die Anfänge der Luftbildfotografie, 1858
Nadar, die Anfänge der Luftbildfotografie, 1858
  • Das erste Luftbild entstand 1858 und wurde vom Pariser Fotografen Nadar aus seinem selbst entworfenen Heißluftballon Le Géant über Paris aufgenommen. Die Gondel des Ballons war so groß, dass sie ein komplettes Fotolabor enthielt.
  • Gruß aus der Küche: Kartoffelstärke, Hühnereiweiß, Gelatine, Kochsalz, Gummi und Sprengstoff waren Zutaten von handelsüblichen fotografischen Materialien, wie sie in den ersten 100 Jahren der Fotografie verwendet wurden, um Glasplatten und Papier mit lichtempfindlichen Schichten zu versehen.
  • Filme sind purer Sprengstoff: Filmmaterialien waren bis in die 1950er Jahre hochexplosiv, denn sie bestanden aus Nitrozellulose, auch bekannt als Zelluloid, als Trägermaterial, einer Verbindung von Baumwollresten mit Schwefel- und Salpetersäure. Dieses hochbrisante Gemenge ist nichts anderes als Schießbaumwolle und fällt unter das Sprengstoffgesetz.
  • Rassistische Aufnahmematerialien: bis in die 1990er Jahre wurden Farbfilmmaterialien, die zu Farbstichen neigten, bei der Verarbeitung gefiltert, um bei Porträts einen neutralen Hautton zu erzielen. Als Referenz diente seit den 1950er Jahren die sogenannte Shirley Card für die Angleichung des Hauttons der dargestellten Personen. Die Shirley Card repräsentierte einen weißen „kaukasischen“ Hauttyp, der eine korrekte Darstellung von Personen mit dunkler Hautfarbe auf Farbfotos unmöglich machte.
  • Schwarze Fotografen: Die Fotografie war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine beliebte Freizeitbeschäftigung einer weißen, elitären Oberschicht. Der Fotojournalist Gordon Parks (1912–2006) wurde 1948 zum ersten farbigen Mitarbeiter des Magazins Life.
  • Es war ein Bankangestellter namens George Eastman, der die technische und industrielle Entwicklung der Fotografie wie kein anderer prägte. Sein 1881 in Rochester, USA, gegründetes Unternehmen stellte zunächst Fotoplatten her. Seinen Namen erhielt das Unternehmen von einer neuartigen Kamera, die Eastman 1888 auf den Markt brachte. Er suchte einen Namen für die Kamera, der in allen Sprachen der Welt gleich auszusprechen war und seinen Lieblingsbuchstaben „K“ enthielt: Kodak war geboren und wurde im 20. Jahrhundert zum weltweit führenden Generalunternehmen der Fotografie.
  • 50.000 Jahre würde es dauern, um alle über 1 Billion Fotos, die im Jahr 2020 weltweit aufgenommen wurden, zu betrachten – wenn man sich für jedes Foto 1 Sekunde Zeit nähme.
  • Die meisten Oscars: “And the Oscar goes to…”  Dass Kino-Filme Oscars verliehen bekommen, ist nichts Neues. Aber, dass Film-Materialien Oscars bekommen? Die Firma Kodak hat insgesamt 7 Oscars für ihre herausragenden Filmmaterialien erhalten.
Beispiel einer direkten Farbfotografie nach Lippmann
Gabriel Lippmann, Musée d’Elysée, Lausanne, direkte Farbfotografie, 1910
  • Einen Nobelpreis gab es 1908 für das am seltensten angewendete fotografische Verfahren der Geschichte des französischen Physikers Gabriel Lippmann. Er entwickelte 1891 das auf Interferenz beruhende nach ihm benannte Verfahren der direkten Farbfotografie. Insgesamt entstanden mit diesem Verfahren weniger als 200 Aufnahmen. Die meisten von ihnen gehören zur Sammlung des Museums Elysée in Lausanne (Schweiz). 
  • Seinen einzigen Nobelpreis erhielt Albert Einstein 1921 für die Erklärung des Photoelektrischen Effekts, der zur technischen Grundlage der Fotosensoren in der digitalen Fotografie wurde. 
  • Ebenfalls einen Nobelpreis erhielt 1971 der Ungar Dennis Gabor für das Verfahren der Holografie, das dreidimensionale Abbildungen liefert, aber nur mit Laserlicht als Lichtquelle funktioniert.
  • Das spektakulärste Verfahren der Fotografie war das SX-70 Sofortbildverfahren, das 1973 von der US-amerikanischen Firma Polaroid vorgestellt wurde. Die Farbbilder entwickelten sich selbsttätig innerhalb von wenigen Minuten vor den Augen des Fotografen, nachdem sie mit einem surrenden Geräusch die Kamera verlassen hatten.
  • Die beliebtesten Popsongs über Farbfilme: Der amerikanische Songwriter Paul Simon verfasste 1973 ein Lied über den Kodak Farbdiafilm und landete einen Welthit mit dem Titel „Kodachrome“. Und nicht zu vergessen Nina Hagen’s DDR-Hit von 1974 „Du hast den Farbfilm vergessen“ (einfach mal bei Youtube reinschauen).
Lennart Nilsson, Zeitschrift Life, 1965
Lennart Nilsson, Drama of Life before Birth (Titel der Zeitschrift Life), 1965
  • Das unglaublichste Foto der Geschichte wurde 1965 auf dem Titelbild der Zeitschrift Life unter dem Titel „Drama des Lebens vor der Geburt“ abgedruckt. Der Wissenschaftsfotograf Lennart Nilsson fotografierte ein menschliches Embryo. Der Verkaufserfolg dieser Ausgabe der Zeitschrift Life wurde nie mehr übertroffen. Die gesamte Auflage von acht Millionen Exemplaren war binnen weniger Tage ausverkauft. Die Fotoserie wurde in den folgenden Monaten in allen wichtigen Zeitschriften der Welt mit demselben Effekt veröffentlicht. Diese Fotos inspirierten den Regisseur Stanley Kubrick 1967 zu seiner Schlussszene mit dem „Sternenkind“ im monumentalen Science-Fiction-Epos 2001: Odyssee im Weltraum.
  • Die Liste der teuersten Fotos der Welt wird angeführt von zeitgenössischen Fotografen, zumindest im Segment von über 1 Mio. Euro pro Bild: Peter Lik „Phantom“: 6,5 Millionen Dollar, Andreas Gursky „Rhein II“ (1999): 4,34 Millionen Dollar, Cindy Sherman „Untitled #96“ (1981): 3,89 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Historische Original Schwarzweiß-Aufnahmen von bekannten Fotografen aus dem 19. und 20. Jahrhundert bekommt man auf Versteigerungen manchmal noch für unter 100.000 Euro.
  • Die teuersten Kameras der Welt sind nicht aktuelle Geräte, sondern historische Fotoapparate. Zum Beispiel die berühmte 0-Serie der legendären Kleinbildkamera Leica, von der 1924 nur 31 Exemplare produziert wurden, bringt heute auf Auktionen mehrere Millionen Euro pro Gerät. Auch in der Liste der hundert teuersten, in den letzten Jahren versteigerten Kameras, finden sich fast ausschließlich Leica Kameras.
  • Mit dem Begriff Paparazzi werden Sensationsfotografen bezeichnet, die Prominente ausspionieren. Tazio Secchiaroli war ein italienischer Fotograf, der als der ursprüngliche Paparazzo bezeichnet werden könnte. Er gründete 1955 die Agentur Roma Press Photo. Secchiaroli war die Inspiration für die Paparazzo-Figur in Frederico Fellinis Spielfilm La Dolce Vita von1960, in dem ein Fotograf namens Paparazzo, gespielt von Marcello Mastroianni, Prominenten auflauerte.

Spielfilme über Fotografen

Über das Leben von bekannten Fotografen wurden etliche Spielfilme gedreht und auch Musicals geschrieben. Hier ein paar Beispiele: 

  • Richard Avedons Karriere wurde 1957 in dem Musical „Ein süßer Fratz“ zugrunde gelegt. Fred Astaire spielte dabei die Rolle des Modefotografen Dick Avery. Avedon selbst arbeitete als visueller Berater am Film mit.
  • 2005 wurde das Leben der amerikanischen Fotografin Diane Arbus in einer Liebesgeschichte verfilmt. In dem Film „Fell – Eine Liebesgeschichte“ von Steven Shainberg, welcher den zusätzlichen Titel Ein imaginäres Portrait von Diane Arbus  trägt, wird Diane Arbus von Nicole Kidman dargestellt.
  • Der Oscar prämierte Spielfilm „Blow Up“ von Michelangelo Antonioni aus dem Jahr 1966 inszenierte die Londoner Mode- und Kunstszene und hatte den englischen Modefotografen David Bailey zum Vorbild. Das erste deutsche Super-Model Veruschka von Lehndorf spielte in dem Film die Rolle eines Fotomodels.
  • „Pretty Baby“ ist ein Spielfilm von Louis Malle aus dem Jahr 1978, der sich um das Leben des Fotografen E. J. Bellocq dreht, der am Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinen Bordellfotos bekannt wurde.
  • Tazio Secchiaroli, ein italienischer Boulevard-Fotograf, war die Inspiration für die Rolle des Fotografen mit dem Namen Paparazzo, gespielt von Marcello Mastroianni, in Fellinis Spielfilm von 1960 „La Dolce Vita“. Seit diesem Film wurden die Paparazzi zu einem geflügelten Begriff für aufdringliche Sensationsfotografen.
  • Eine Bildserie des amerikanischen Fotografen Dennis Stock von 1957 über den kurz danach verstorbenen Schauspieler James Dean wurde zum zentralen Thema des Spielfilms „Life“ von 2015.
  • „Die Fotografin“ ist ein britischer Spielfilm von Ellen Kuras aus dem Jahr 2023. Die Filmbiografie behandelt das Leben der amerikanischen Fotografin Lee Miller. Die Titelrolle übernahm Kate Winslet.